Zeitungsbericht AZ am 8.5.1990 (Rupert Mayr)

Mit einer „Heiratsanzeige“ beim Bezirk Schwaben begann alles

Jetzt feiert Sulzberg Partnerschaft mit Chailland

Während die Kinder von Chailland die Europahymne singen und die Musikkapelle Moosbach das „Lied der Freude“ erklingen läßt, unterzeichnen Madame de  Branche und ihr Sulzberger Amtskollege, Günther Steinle die Partnerschaftstafeln. Hunderte von Menschen, die kürzlich den Festakt vor dem Rathaus in Chailland verfolgten, klatschten begeistert Beifall. Und Madame de Branche ist sichtlich gerührt, denn die Partnerschaft mit einer deutschen Gemeinde hatte die 72 jährige schon lange gewünscht.

Bürgermeister Günther Steinle rief zur Überwindung der Kriegsschmerzen auf, um das gemeinsame Europa zu bauen: „Hegemoniebestrebungen darf es in einem vereinigten Deutschland nicht geben... Erfüllte Gemeindepartnerschaften sind eine Brücke, die das, was trennt, überwinden hilft und das, was beiden Seiten gemeinsam ist, vertieft“.

Der Bürgermeister erntete zustimmendes Kopfnicken im Publikum, darunter 90 Sulzberger. Sie hören Madame de Branche über eine Beziehung schwärmen, die durch eine Heiratsanzeige beim Bezirk Schwaben zustande kam.

Der Aufenthalt in Chailland begann mit einer Kaffeetafel vor dem Rathaus. Auch das reichliche kalte Büfett, das die Gastgeber in ihrer Mehrzweckhalle aufgebaut hatten, nahmen die Sulzberger mit Wohlgefallen zur Kenntnis, hatten sie doch eine anstrengende „Kilometerschinderei“ hinter sich: 20 Stunden waren die Sulzberger bei der Hinfahrt unterwegs, der Vormittag in Paris miteingerechnet.

Christa Kössinger, Christine Wiedemann, Herbert Sommer und Josef Steidle hatten die „Gewalttour“ sogar mit dem Fahrrad zurückgelegt. Braungebrannt warteten sie in der Nähe des Ortsschildes, als der Doppelstockbus aus Sulzberg in Chailland eintraf. Doch die großartige Gastfreundschaft der Franzosen dürfte sicher für alle Anstrengungen entschädigt haben.