Freundschaftsbesuch in Chailland anläßlich der 15.jährigen Partnerschaft vom 4. bis 9. Mai 2005
Bericht: Otto Achilles


Seit der Vertragsunterzeichnung einer Gemeindepartnerschaft am 1. März 1990 ist mittler-
weile eine gute Freundschaft unter den Mitglieder entstanden. Die Namen Chailland und Sulzberg sind so eng miteinander verknüpft, dass man fast schon von einer Verwandtschaft sprechen kann. Wir nehmen die 15-jährige Partnerschaft zum Anlass Chailland zu besuchen.

Mit großer Erwartung fuhren meine Frau und ich am 04.05. als Mitreisende einer Gruppe von 23 begeisterten Sulzbergern los. Nach 14stündiger Fahrt erreichten wir etwas müde aber in guter Stimmung Chailland. Die Freude der Gastfamilien äußerte sich so, dass man sich in den Armen lag und nach französischer Art drei Küsschen auf die Wangen gab. Wir standen zunächst etwas hilfesuchend in einer Ecke, wurden aber, nachdem sich das Gedränge etwas gelegt hatte, auch von unserer Gastfamilie in die Arme genommen. Nach kurzer Zeit hatten wir den Eindruck uns, auf Grund der herzlichen Begrüßung, schon Jahre gut zu kennen. Nach einem kurzen gemeinsamen Frühstück bezogen wir unsere Quartiere bei den Gastfamilien.
Was uns betrifft war es eine 4 Sterne Herberge. Das Mittagessen übertraf alle unsere Erwartungen, es dauerte 4 Stunden.
Gegen 16 Uhr trafen wir uns alle wieder und besichtigten das schöne Dörfchen Chailland und Umgebung. Anschließend gab es eine Fotoausstellung der gegenseitigen Besuche in den letzten 15 Jahren. Ein Cocktail schloss das gemeinsame Programm ab.
Dann ging es wieder zu den Gastfamilien zum Abendessen. Es zog sich bis 24 Uhr hin und was alles aufgetischt wurde sprengt den Rahmen dieses Berichtes. Am offenen Kaminfeuer nutzten wir die Gelegenheit uns über Land und Leute zu informieren und wurden einfach nicht müde dabei.

Am Freitag nach einem Frühstück, an dem unser Gastgeber mit einer Heugabel Baguette über dem offenen Kaminfeuer röstete, trafen wir uns alle wieder und fuhren mit dem Bus nach Saulges. Dort besichtigten wir zwei Höhlen. Es war ziemlich finster und glitschig. Die Führung dauerte circa 2 Stunden, ein wenig unheimlich war es auch, tief unten im Bergfelsen in teils gebückter Haltung herumzulaufen, aber in Gegenwart unserer Führer fühlten wir uns sicher und genossen die interessante Kletterpartie.
Anschließend verzehrten wir ein von den Gastfamilien zubereitetes Picknick im Park und fuhren weiter nach Saint Denis d`Anjou. Eine hübsche Hostess führte uns durch das mit zwei Blumen ausgezeichnete Dörfchen. Die Gebäude, wie Kirche, Markt und Rathaus stammen aus dem 15 Jahrhundert . Ein beeindruckendes Erlebnis, durch 500 Jahre Geschichte zu wandern.
Abends dann das große gemeinsame Abendessen. Der französische Chor Azylis sang wunderschöne europäische Volkslieder. Ein musikalischer Genuß.
Dann Disco ! Es wurde getanzt und eine Polonaise durchgeführt. Der tanzbeinschwingende Höhepunkt war der Tiroler Hochzeitstanz der zwar mit viel Elan dargeboten wurde, aber in punkto Choreographie noch als verbesserungsfähig angesehen werden muß. In einer Tanzpause wurden dem 1. Vorsitzenden des Partnerschaftsverein Chailland Yvan Monceau von unserer 1. Vorsitzenden Allyson Stratmann Geschenke übergeben. Unter anderem ein echter Allgäuer Hut den er bis zu unserer Abreise immer auf dem Kopf hatte.Um Mitternacht wurde von einer Sulzberger „Sängergruppe“ Frau Ulla Bartmann ein Ständchen zu ihrem Geburtstag gesungen. In Anschluß wurde sie von allen umarmt und geküßt, was mit Sicherheit ein Zeichen ihrer Wertschätzung in diesem Kreis darstellt.

Samstag, nach dem Frühstück, Besichtigung des Hühner- und Putenschlachthofes. Hier sind circa 250 Personen an teilweise automatischen Fließbändern beschäftigt. Beeindruckend, wie schnell, sauber und effektiv die Verarbeitung durchgeführt wird. Allerdings war es für mich, meine Frau hatte aus weiser Voraussicht nicht teilgenommen, schon eine kleine Belastung der Geruchs- und Sehnerven. Ich mußte nach dem sehr interessanten Besuch erst einen doppelten Calvados trinken! Die anschließende Besichtigung der Schweinezucht- und Mastfarm bei unserem Gastgeber war dagegen ein netter Spaziergang.
Nach dem Mittagessen war ein pétanque- und palet Turnier angesetzt. Bei strahlendem Sonnenschein und einem Fass deutschen Bier kämpften 12 deutsch-französische Mann- schaften um die Ehre, ein bi-nationales Turnier zu gewinnen. Ludwig Jörg und seine Partnerin Monique Mallejac errangen den 1. Platz.

Abends große Grillparty im Gemeindesaal. Das mitgebrachte Fass Bier war innerhalb kürzester Zeit leer, es wurde gesungen und viel getrunken. Die Stimmung war großartig. Gegen 22 Uhr marschierten alle zum Dorfplatz wo eine afrikanische Band die Stimmung weiter anheizte. Durch Zugaben für die deutschen Freunde wurde bis Mitternacht weiter gefeiert. Der Höhepunkt und Abschluss war dann ein wunderschönes Feuerwerk.

Sonntag früh trafen wir uns alle am Rathaus, um gemeinsam mit unseren französischen Freunden an der Gedenkfeier zum Kriegsende teilzunehmen.

Wir marschierten vom Rathaus zum Friedhof, wo uns der Bürgermeister vor der offiziellen Ansprache begrüßte und sich für unsere Anteilnahme bedankte. Er führte weiter aus, daß trotz der schrecklichen Ereignisse letztendlich alle gewonnen hätten, sichtbar in der engen deutsch- französischen Freundschaft. Nach einem anschließenden Umtrunk mit Bürgermeister, Gemeinderat und weiteren Autoritäten ging es wieder zu den Gastfamilien, wo uns ein opulentes Abschiedsessen erwartete. Um 17.45 trafen wir uns am Bus. Hier fand eine herzliche Verabschiedung mit vielleicht auch ein paar versteckten Tränen statt.
Ankunft in Sulzberg nach einer angenehmen und sicheren Fahrt (ein Dank an die Chauffeure) gegen 7 Uhr.
Es war eine tolle, erlebnisreiche und interessante Fahrt, darin waren sich alle Teilnehmer einig. Ein herzliches Dankeschön an die 1. Vorsitzende Allyson Stratmann, Yvan Monceau sowie an alle die organisatorisch mitgewirkt haben.

Fotos: Willi Stratmann, Ludwig Jörg