Fahrt nach Chailland 20. - 24. Mai 2009

Über 70 Jahre war die älteste Teilnehmerin unserer Fahrt nach Chailland; die Jüngste war 17. Weil im Programm für jeden was dabei war, kamen beide Sulzbergerinnen, wie auch alle anderen Teilnehmer, glücklich aus Frankreich zurück.

Die Nachtfahrt verlief wegen wenig Verkehr und guten Straßenverhältnissen wirklich unproblematisch. Mit Jo Thalmeier und Peter am Steuer waren wir in besten Händen. Da die Meisten über 2 Sitzplätze verfügten kamen wir einigermaßen ausgeruht an der Gaststätte in Le Mans an und freuten uns über das knackige Baguette  und die leckeren Croissants mit Milchkaffee.

In Chailland wurden wir im Festsaal mit Säften und Kaffee versorgt, aber erst nachdem die rituellen Backenküsse ausgetauscht wurden. Wir nahmen das Mittagessen in den Gastfamilien ein und machten uns frisch für eine geführte Wanderung um Chailland herum.

Nach einem kurzen Grußwort vom Bürgermeister Hubert de Pontbriand, der unseren Umzug zum 950 Jahre Feier sehr lobte, hatten wir Gelegenheit, die imposante Kirche Chaillands zu besichtigen. Danach ging es über die schönen, von Mme. de Branche angelegten Blumen-  und Nutzgärten zum Felsen hoch, wo die weiße Marienstatue vom strahlend blauen Himmel herunter blinzelte. An einer etwas verlassenen Kapelle vorbei liefen wir über Weiler mit malerischen Steinhäusern  zur alten Schmiede. Hier wurden die alten Arbeiterhäuser zu sehr ansehnlichen Wohnungen renoviert. Etwa 2 ½ Stunden lang konnten wir dem Bewegungsdrang nachkommen und die blühenden Wiesen mit den schwarz-weißen Rindern, die „bonnes soeurs“ (zu Deutsch: Ordensschwestern) genannt werden, genießen. Am kleinen Waschhaus im Zentrum von Chailland ging der gemütliche Spaziergang zu Ende.

Der Abend wurde bei einem erstaunlich opulenten Abendessen in den Gastfamilien verbracht.

Freitag um 8.00 Uhr begann die Fahrt nach Saumur an der Loire. Unterwegs kamen wir an zahlreichen kleinen chateaux und der wunderschönen Stadt Angers vorbei. In Saumur selbst kam uns unser breiter Bus  in der engen Stadt plötzlich riesig vor!

Hier besuchten wir eine Champignonzucht in den Felsenhöhlen direkt am Fluss. Für alle eine völlig neue Erfahrung, die durch den trockenen Humor unserer Führerin Brigitte auch eine lustige Sache wurde. Es folgte ein Mittagessen in einer Picknickanlage auf einer Insel in der Loire – eine feine kalte Platte, die vom Wirt aus Chailland eingerichtet wurde. Den Franzosen bekam auch ein Bier, das vom Partnerschaftsverein gespendet wurde.

Im Nachmittag wurde ein Weinkeller, ebenfalls in einer Höhlen gelegen, besichtigt. Hier ging es nicht nur um den berühmten Anjou Rosé, sondern auch weiße und rote Weine und dem crémant, ein trockener Sekt.

Höhepunkt des Aufenthaltes war der bretonische Abend. 10 Wochen lang hatte eine Gruppe Chaillandais geübt, um uns eine Volkstanzvorstellung vorzuführen. Auch wir wurden aufgefordert, mitzumachen. Zu den verschiedenen galette und crêpe Speisen passte nicht nur der frische Apfelsaft und der cidre, sondern auch das  Allgäuer Bier, das von der Gemeinde für die Bürger von Chailland gespendet wurde. Als Dankeschön, nicht nur für diesen festlichen Abend, erhielt die 1. Vorsitzende vom Partnerschaftsverein in Chailland, Sylvie Darras, eine Rhododendron, auch als Alpenrose bekannt. Den 3 ehemaligen Vorsitzenden des Vereins wurden Gedenkmünzen, die bei der 950 Jahre Feier geprägt worden waren, überreicht.


Die Nacht war wieder kurz, denn am folgenden Tag stand eine Wattwanderung durch die Bucht vom Mont St. Michel auf dem Programm. Der Tag begann warm und sonnig und wir waren mit Sonnencreme und -brillen gewappnet. Um  so überraschender kam der Regen, als wir barfuß durch das glitschige Watt liefen. Überraschend war auch die Tiefe des Meerwassers in den Prielen, das teilweise weit über die Oberschenkeln reichte. Zum Glück war es nicht wirklich kalt und die Wanderung entpuppte sich als nicht nur gesund, sondern auch sehr lustig. Natürlich hat der Anblick der Abteikirche, die vor uns streng aber majestätisch seine normannischen Türme in den grauen Himmel streckte und immer näher kam, die Anstrengung mehr als gelohnt.

Nachdem wir uns in Peters Eimer und mit seinem Fensterputzschwamm die Füße gereinigt hatten und uns ein wenig im Bus getrocknet hatten, konnten wir ein paar entspannte Stunden in Mont St. Michel weilen. Für die Meisten von uns hieß das, den Touristenstrom so bald wie möglich zu entkommen und eine Tasse französischen Kaffee zu uns zu nehmen oder das Kloster zu besichtigen.

Auf dem Weg nach Hause machten wir in dem beeindruckenden Supermarkt in Ernée halt, denn es wäre schade gewesen, das Angebot von französischen Weinen und Delikatessen nicht wahrzunehmen. Auch dieser Abend wurde durch die Gastfreundschaft unserer französischen Freunde versüßt.

Vor der Rückfahrt am Sonntag nahmen wir um 7 Uhr ein gemeinsames Frühstück zu uns. Eine tolle Idee! Was könnte schöner sein, als mit lieben Menschen den Tag am liebevoll gedeckten Tisch bei Kaffe und brioche und leckeren baguette zu beginnen  und auf diese Weise den Aufenthalt in einem hübschen kleinen Dorf in der Mayenne zu beenden?

Die Gastgeber empfanden wir insgesamt als entspannter denn je. Auch wir waren einfach locker. Mittlerweile ist es klar, dass es sich mit der Partnerschaft tatsächlich um eine große Freundschaft, um gegenseitigen Respekt und Toleranz handelt. Eine runde Sache, diese Partnerschaft mit Chailland !

 

Allyson Stratmann