Vom BJR unterstützte Jugendbegegnung in Frankreich – 27 junge Sulzberger besuchen unsere Partnergemeinde Chailland


Dienstag kurz nach halb neun. Nach einer regnerischen Nacht sitzen 27 junge Sulzberger und 23 jugendliche Franzosen an aufgereihten Biertischen auf dem Campingplatz „Domaine des Ormes“, bei Dol de Bretagne. Sie werden von 7 jugendlichen Betreuern und einer Deutsch-Französischen Mannschaft von 7 Erwachsenen mit Frühstück versorgt. Während Lukas, fröhlich in die Kamera grinsend, sein Baguette-Stück fachmännisch in seine heiße Schokolade tunkt, verschwindet nebenan Franzis Gesicht völlig in der Riesenschale mit heißem Milchkaffee. Franzi ist in einem Anorak eingehüllt, denn die Nacht war relativ frisch und noch ist der Himmel stark bewölkt.Wie, übrigens, fast die ganze Zeit in den 5 Tagen, die die Jugendgruppe mit 24 Jugendfeuerwehrlen unter den Aufsicht von André Weißenbach in Frankreich verbrachte.

Nachdem das Willkommensfrühstück im hübsch angelegten jardin publique rasch wegen eines Regenschauers abgebrochen werden musste, kam die überwältigende Hitze am ersten Sport-Nachmittag auch nicht gelegen, denn der Fußballplatz / Campingplatz im Ort bietet wenig Schatten. Aber die Jugend, höchst motiviert trotz schlafloser Nacht im Reisebus, kämpfte sich tapfer bei Fußball-Übungen, Basketball und dem Trendspiel mölki, bevor die bi-nationalen Gruppen den Nachmittag bei Völkerball beendeten.
Zum Glück passten alle Jugendlichen im deutschen Reisebus, der die Gruppe am nächsten Tag zum Campingplatz in der Bretagne brachte, so dass die Jugendlichen sich weiter gegenseitig beschnuppern konnten, bevor die Zelte aufgebaut worden waren. Allerdings lockte die Aqua-Landschaft am Campingplatz so sehr, dass die eine oder andere Französin keine Zeit hatte, das Zelt ganz korrekt aufzustellen. Die dunklen Wolken am bretonischen Himmel hielten noch und nach dem mitgebrachten casse-croûte konnten, wie geplant, die Minigolf-, Bogenschießen- und Beachvolleyball-Aktivitäten stattfinden, auch wenn die letzten Bogenschützen wegen eines Schauers ein wenig kurz kamen.
Zur Essenszeit blieb es trocken und die hungrigen Fahrtteilnehmer wurden von Bruno und Cyril mit Salaten, gegrillten Würsten, Käse und einem leckeren far breton versorgt. Eine Slackline wurde als Geschenk für die Jugendlichen aus Chailland von André überreicht. Sofort danach kam das befürchtete Gewitte und für die meisten Jugendlichen musste der erste Abend unter dem Zeltdach stattfinden. Und was wurde aus den 6 Französinnen, die lieber schwimmen und rutschen wollten, als ihr Zelt aufzubauen? Sie retteten sich, in Schlafsäcken umhüllt, auf die Ladefläche von Brunos gemieteten LKW.

Für den nächsten Tag waren Fußball auf Kunstrasen und Beachvolleyball angesagt, aber viele Jugendliche fanden Zeit ins Schwimmbad zu gehen oder eine kleine pedalo-Fahrt zu machen, bevor die Nudeln à la bolognaise aufgetischt wurden. Dann ging es mit dem Bus Richtung Saint Malo. Es wäre schön gewesen, einen gemeinsamen Nachmittag an dem Strand mit dem eingebauten Meerwasser-Schwimmbad zu verbringen, aber das Wasser war empfindlich kalt und keine Sonne war am Himmel zu entdecken. Also entschieden sich die Meisten, für Stadt-Besichtigung oder Shoppen. Und es tröpfelte. Wir trafen uns später auf dem Boules-Platz, wo Sylvie und ihr starkes Team mit Getränken und 70 Riesenpizzas auftauchte. Lachend und ausgelassen wurde unter freiem Himmel Durst und Hunger gestillt und die Möwen gefüttert.

Zurück am Campingplatz wurde zu sehr später Stunde eine Karaoke-Stunde und anschließend ein Disco-Abend angeboten. Unter Aufsicht der Jugendbetreuer durften auch die kleineren, die nicht zu müde waren, aufbleiben. Deshalb erschienen ziemlich ermüdete Gesichte zum Frühstück und beim Zelte-Abbauen war es ein wenig stiller als vor zwei Tagen. Aber als wir den Strand von Cherrieux erreichten, waren alle wieder munter, denn Strand-Segeln hat schon seinen Reiz. Hélas! Jetzt regnete es nicht mehr, aber der nötige Wind war nicht vorhanden. In Mannschaften von jeweils 3 Personen wurden die Strandsegelfahrzeuge an einen günstigeren Platz am Strand geschoben, aber der Erfolg war leider gering.
Beim anschließenden Grillabend mit den Gastfamilien durfte die Kapelle der Jugendfeuerwehr endlich ihre Instrumente auspacken und zusammen mit Antoine und Alexandre aus Chailland die Familien mit fetzigen Stücken unterhalten. Ohne Dirigent aber geführt von Martin Müller zeigten sich die Musikanten sehr diszipliniert und durchaus begabt. Es wurde gegessen, geschwätzt, gewitzelt und man merkte, dass die Gruppe jetzt eine gemeinsame Gruppe war, die keine Scheu mehr hatte, untereinander Kontakt zu suchen. Gegen Ende des Abends wurde den Organisatoren der Fahrt wie auch den Gastfamilien herzlichst gedankt.

Die Großstadt Laval war für den letzten vollen Tag vorgesehen und normalerweise hätte man den Vormittag beim Stadtbummel verbracht, aber … ja, es hat ziemlich stark geregnet, als der Reisebus am Park von La Perrine ankam. Kurzfristig entschieden die Organisatoren die Jugendlichen zu einem Einkaufszentrum zu fahren, wo sie mindestens im Trockenen ihre Brotzeit essen und sich ein wenig umschauen konnten.

Nachmittags wurde das beeindruckende Feuerwehrhaus von Laval besichtigt. Fasziniert lauschten die Jugendfeuerwehrler wie Nicolas Le Galliot, Berufsfeuerwehrmann aus Chailland, von seinem Tag erzählte und sportliche Übungen und Feuerwehrautos mit Sonder-Rüstung vorführte. Auch von der Ausstattung der 3 Krankenwägen wurde berichtet. Anschließend wurde die Gruppe im Feuerwehrhaus von Chailland kurz vom Bürgermeister Hubert de Pontbriand begrüßt und mit Aperitifs verwöhnt.
Jede Familie hatte den letzen Abend anders gestaltet. Bei uns wurden zwei Familien dazu eingeladen, den Abend mit insgesamt 10 Jugendlichen und 7 Erwachsenen zu feiern. Alex wiederholte ständig seine neu gelernten französischen Worte und „drohte“ für immer in Chailland zu bleiben. Stephan verwöhnte die kleine Katze und freute sich, dass er diese Möglichkeit gehabt hatte, in einer französischen Familie die Tage zu verbringen. Pirmin übte sich mit Antoine und Alexandre in Englisch. Lajana und Hannah redeten in Französisch und Rozenn und Matthieu versuchten ein paar Worte in Deutsch zu sagen. Marie unterhielt sich mal in Französisch, mal in Englisch, mal in Deutsch.
Beim Abschied am 26. August hatten die Jugendlichen keine Scheue mehr, sich mit Backenkuss oder eine herzliche Umarmung zu verabschieden, und ein paar unvermeidliche Tränen gab es auch. Wieder mal haben es unsere französischen Freunde, die Jugendlichen wie auch ihre Familien, geschafft, uns so willkommen zu heißen, dass die Bedenken auch der scheuesten Teilnehmer der Fahrt bald Vergangenheit waren. Aber auch unsere Jugend zeigte sich offen, motiviert, hilfreich und unkompliziert wie nie zuvor. „Vorzeige-Deutsche“ habe ich sie genannt, junge Männer und Frauen auf die Sulzberg wirklich stolz sein kann.

Schon vor dieser Fahrt hatte Sylvie Darras, 1. Vorsitzende des comité du jumelage in Chailland, daran gedacht, eine Seite in Facebook für die Begegnung zu errichten. Es gab einige mehr oder weniger schüchterne Einträge. Seit letzter Woche ist kontinuierlich auf der Seite was los. Interessenten können sich bei Facebook RECONTRE JEUNES selber davon überzeugen.
Unterstützt von ihrem Mann Bruno und vielen lieben Anhängern der Partnerschaft, hat Sylvie eine organisatorische und logistische Leistung vollbracht, die viel Lob und Anerkennung verdient. Auch Jutta Pfänder, die die Gruppe begleitet hat und André Weißenbach, der die jungen Feuerwehrler betreute, sowie Angela Immler, die die Zuschüsse beantragte, und Erik Klooster möchte ich von Herzen danken.

Übrigens, für die Fahrt nach Chailland 2012, die voraussichtlich zu Christi Himmelfahrt stattfinden wird, haben sich bereits 7 von den älteren Jugendlichen schon angemeldet. Und was ist mit Ihnen?

Allyson Stratmann
PSV Sulzberg e.V.